Posterboy

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=21iVQ0iXs00&hl=de_DE&fs=1&]

Posterboy räumt auf mit der Herrschaft kommerzieller Signale im urbanen Lebensraum! Seine Rekompositionen von Werbeplakaten lassen uns aufmerken und darüber bewußt werden, wie viele Orientierungsmuster uns ständig vorgegeben werden, die wir oftmals unreflektiert aufnehmen.

…zum youtubechannle von Posterboy: http://www.youtube.com/user/PosterboyNYC

Hypothetische Wahrheit und Googleability

Süddeutsche Zeitung (10./11.4.2010): Interview mit dem Medien-Designer Daniel van der Velden über die blühende Kultur inszenierter Fälschungen im Netz.

Ein sicherer Hafen im Sturm der Bits, Pixel und Soundbites liegt im Postjesweg, Amsterdam. Der niederländische Design- und Grafik-Think-Tank Metahaven hat sein Büro in einer alten Schmuckfabrik untergebracht. […]
In ihren Projekten, die sie in dem Buch Uncorporate Identity vorstellen, verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fälschung, Marketing und Kunst. “Wir erleben eine Demokratisierung der Fälschung”, sagt van der Velden. ” Was im Netz erzählt wird, ist nicht so sehr die Wahrheit, sondern etwas, das nur wahr sein könnte. […]
SZ: Herr van der Velden, stimmt es, dass Ihr Büro den Marketing-Auftrag für Sealand erhalten hat, ein fiktives Land in der Nordsee?
Daniel van der Velden: Sealand ist eine alte Militär-Plattform aus dem Zweiten Weltkrieg, die in den 70er Jahren von einem ehemaligen Offizier der Royal Navy besetzt und zu einem unabhängigen Königreich erklärt wurde. Niemand lebt auf der Betonstruktur. Niemand weiß, was man eigentlich damit machen soll. Sealand ist einfach da. Es ist eine Art realer Hoax, eine Fälschung aus Beton, die von den Mythen und Gerüchten lebt, die gerade im Internet-Zeitalter um sie herumschwirren. Sealand ist nur Bild und Projektionsfläche und hat so die radikalste künstliche Entwicklungsform einer Marke angenommen. […]
SZ: Vergangenen Herbst berichteten deutsche Nachrichtenagenturen und Online-Medien über einen Selbstmordanschlag, den Mitglieder der Hiphop-Gruppe Berlin Boys 666 in der kalifornischen Kleinstadt Bluewater durchgeführt hätten. Die Medien wurden durch einen Telefonanruf alarmiert, fanden im Netz Twitter-Meldungen von Augenzeugen, die Website der Polizei von Bluewater und einen Blogeintrag der vermeintlichen Täter. Stunden später kam heraus, dass alles vom Regisseur Jan Stahlberg inszeniert war, der PR für seinen neuen Film machen wollte.
Van der Velden: Auch der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy hat für sein letztes Buch einen Autor zitiert, von dem Aufsätze im Internet zu finden waren. Leider ist der vermeintliche Autor eine Satirefigur. Lévy hat dann ziemlich souverän reagiert und gesagt: “Der Mann mag vielleicht nicht existieren. Er hat aber trotzdem recht.” Die Fiktion wurde Teil seiner Argumentationskette. Lévy hat die Grenze zwischen Realität und Phantasie transzendiert. Wir folgen ihm auf seinem Weg. […]
SZ: Vor zwei Wochen fand sich in der Tabelle der beliebtesten Suchanfragen bei Google der Begriff Lumberton Trading Company, eine amerikanische Plattenfirma, die es gar nicht gibt. Millionen E-Mail-Nutzer hatten eine Spam-Mail erhalten, in der die Lumberton Trading Company mit einer Klage wegen Urheberrechtsverletzungen drohte. Die Spam-Mail war so überzeugend formuliert, dass viele mehr Informationen einholen wollten. Lumberton tauchte somit auf der Agenda der Allgemeinheit auf – zwischen der Gesundheitsreform und dem Spielplan der Basketballliga.
Van der Velden: Da sieht man, dass es eine kreative Leistung ist, einen Namen zu erfinden, den die Leute für echt halten. Interessant bei den Spam-Mails ist doch, dass es immer um Geld geht, um Juristen, um Banken. Eine Form der Macht. […]
SZ: Die plötzliche Popularität der Lumberton Trading Company führte übrigens dazu, dass die automatischen Webseiten-Generatoren, die beliebte Suchbegriffe in ansonsten leere Webseiten integrieren, um Web-Traffic und Werbe-Gelder zu sammeln, immer mehr Seiten zum Thema erstellten. Die erfundene Firma wurde immer präsenter. Maschinen hatten das Wort ergriffen.
Van der Velden: Ja, Millionen Textseiten ohne Sinn. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die Programme und Skripte irgendwann einmal von einem Menschen geschrieben wurden. Die Gestaltung von Informationen, das haben wir auch gemerkt, als wir unsere spekulativen Designs im Web platzieren wollten, hat sich von der visuellen Oberfläche in tiefere Strukturen verschoben.
Da geht es um Fragen der Googleability, wie man also eine möglichst hohe Position in der Treffertabelle der Suchmaschinen erreicht. Ganz ähnlich wie Autos, die in den vergangenen Jahrzehnten durch die Aerodynamik-Tests immer schlanker und glatter wurden und sich so in der Form anglichen, muss nun auch jedes Informationsobjekt einen Prozess durchlaufen, der es glättet und stromlinienförmig macht, damit es reibungslos durch die Netzwerke rutschen kann.”

Komplettes Interview in der Süddeutschen Zeitung

Der Markenexperte über Cultural Hacking

Klaas Kramer schreibt auf dem Kommunikationsblog über Markentechnik und Cultural Hacking:

„Sind Sie denn wahnsinnig, Herr Kramer? Sie fordern dazu auf, die Marke zu hacken? Das ist ja brandgefährlich! Man muss die Brand Manager vor Ihnen warnen. Sie könnten ja Markensubstanzen zerstören, die wir über Jahrzehnte aufgebaut haben. Um Himmels Willen!“ So ähnlich könnte der Einwand eines Markentechnikers lauten, der sich der Einhaltung einmal definierter Markenattribute und deren Materialisierung verschrieben hat.

Stehen Brand Hacking und Markentechnik wirklich im Widerspruch zueinander?
Zugegeben, begrifflich könnte beides nicht weiter auseinander liegen: Sorgsame ingenieursgleiche Wertarbeit auf der einen Seite, subversive chaospolitische Manipulation auf der anderen Seite. Als Konvergenzpunkt zwischen Analytik und Kreativität gebe ich mit ruhiger Hand Entwarnung. Brand Hacking ist zunächst einmal ein Perspektivwechsel. Anstatt Abweichungen zu nivellieren, werden sie ausgeleuchtet. Hacking legt frei, was ohnehin schon unter der Oberfläche liegt.

Brand Hacking Analogie
Wenn Marken einem Hacking unterzogen werden, ist das vergleichbar mit dem Prüfstand für einen Fahrzeugmotor: ein Test unter extremer Belastung, hohen und niedrigen Temperaturen sowie in allen Lagepositionen. Ist die Marke stark genug, hält sie Störungen stand. Sollbruchstellen werden frühzeitig erkannt, um Detailverbesserungen vorzunehmen. Natürlich muss bei diesem Vergleich mehreres im übertragenen Sinne gedacht werden: Motoren, Treib- und Schmierstoff sind Materie und der Prüfstand überwacht physikalische Größen. Marken sind immateriell und können nur über deren Materialisierungen beobachtet, ausgemessen und verändert werden. Worauf es tatsächlich ankommt, das bleibt oft im Verborgenen. Hacking kann solchen verborgenen Erfolgstreibern am ehesten auf die Spur kommen. Hacking ist damit eine kulturelle Arbeit (Cultural Hacking) und bewegt sich im Wechselspiel zwischen Kunst und Soziales.

Machen Sie‘s nicht wie der Vogel Strauß!
So sehr der Ansatz des Brand Hacking fasziniert, so sehr löst er auch Bedenken oder gar Ängste aus. Wegschauen hilft nicht: Marken können nicht nicht manipuliert werden. Jede Markenkommunikation ist ein Akt des Hacking, denn die Marke ist kein in sich ruhendes Etwas, das objektiv für jeden Beobachter das Gleiche darstellt. Eine Marke ist immateriell. Sie ist die „Summe“ aller Vorurteile, Ideen, Gedanken und Gefühle, die Menschen mit ihr verbinden. „Summe“ steht deshalb in Anführungszeichen, weil sich Geistiges nicht einfach mathematisch addieren lässt.

Fenster auf im Materialkunde-Kabinett!
Zeichen, Worte, Stoffe, Gerüche – all das sind Materialisierungen der Marke: Das Aufschreiben von Attributen in ein Markenmodell, der Einsatz eines Testimonials in einem Werbefilm, das Aufstellen eines Displays im Supermarkt, ein Tweet bei Twitter – ja, auch Pixel auf dem Display sind Materialisierungen. Die Handhabungen der Materialisierungen, also jede absichtsvolle Intervention auf die Marke, kann als Hacking gelesen werden. Nur bezieht sich dieses Hacking nur oberflächlich betrachtet auf das Material (Zeichen, Worte, Filme, absurde Brand Extensions). Tatsächlich wird der kulturelle Bezug gehackt, den ein Beobachter zu den Objekten herstellt – jener immaterielle Bereich, in dem sich die Marke manifestiert, irritiert oder gar verflüchtigt. Das Management des Immateriellen ist eben keine Technik. Technik ist per pefinitionem Materialkunde.

Markentechniker sind auch Brand Hacker
Auch Markentechniker sind Brand Hacker. Nur nennen sie sich nicht so. Tritt ein Markentechniker an ein ein Unternehmen heran, das diffus kommuniziert und deren Akteure selbst kein klares Bild von den Erfolgstreibern haben, welche beim Kunden Sogkraft und Vertrauen erzeugen, so ist er der Ur-Brand-Hacker für dieses Unternehmen. Idealerweise ist er ein Coach, der durch zirkuläres Fragen eben jene Unterschied-machenden Stärken herausdestilliert, dem gewissen Etwas auf die Spur kommt, das Kunden bei ihrem brennenden Problem anspricht und besser als der Wettbewerb auf ein ganz bestimmtes konstantes Grundbedürfnis abstellt. Damit hackt der Markentechniker das soziale System des Unternehmens. Er ist ein Störenfried, der durch seine Interventionen eine Selbstreflexion anregt, die im Tagesgeschäft nicht zugelassen wird. Wird diese Selbstreflexion durch den Markentechniker geschickt geführt, dann deckt er – ganz im Sinne von Hacking – Potenziale auf, die Grundlage für eine Marke sein können. Freilich wird erst durch Festlegungen, abstrakte (Markenmodellierungen) und konkrete Markenbeschreibungen (Brand Design) eine Marke als solches fassbar – zunächst für das beteiligte Management, später für die Mitarbeiter und letztlich für die Marktteilnehmer. Diese ursächliche Markenbeschreibung ist eine Störung in der Vorstellungswelt der beteiligten Beobachter: Hacking.

Hacking versteht verteilte Macht
Sobald eine Marke an Relevanz gewonnen hat – und nur dann kann der Markenaufbau als Erfolg bezeichnet werden – fertigen auch weitgehend unkontrollierbare Akteure gnadenlos konkrete Markenbeschreibungen an – Menschen, die sich nicht an die Brand Guidelines halten wollen oder können. Ein souveränes Markenmanagement ist daran zu erkennen, dass es sich dieses Potenzial ins Haus holt. Durch Ignorieren oder Totschweigen macht man die „Abweichler“ im Zeitalter von Social Media nicht etwa mundtot, sondern provoziert sie. Die Marke wird zum Angriffsobjekt, weil sie sich demonstrativ gegen eine kritische Masse stellt. „Kritische Masse“ darf gern im doppelten Sinne verstanden werden: kritisch gegenüber der Marke und kritisch als relevante Menge, die den Tipping Point erreicht hat.

Hacking entspannt
Das Verhältnis zwischen Markentechnik und Brand Hacking spitzt sich hier zu: aus der einen Perspektive betrachtet sind Abweichungen vom Markenkern ein Ausschlag auf dem Risiko-Detektor, aus der anderen Perspektive sind sie eine willkommene Erkenntnis, ein Fortschritt auf dem Weg zu einem immer tiefgreifenderen Verständnis von der Marke. Das eine ist eine tendenziell verkrampfte, das andere ist souveräne Markenführung. Je mehr sich Markenmanager und Markenberater auf Brand Hacking verstehen, desto wirksamer können sie Einfluss nehmen, was im Markt mit der Marke geschieht. Idealerweise ist der Brand Manager der Chef-Brand-Hacker. Ist er es nämlich nicht, dann ist es jemand anderes im Markt: eine Agentur, ein Konsumguerillo oder eine Community, die so gar nicht als Zielgruppe gedacht war, so genannte Brand Hijacker.

Com&Com: Appropriation und Remake

Das künstlerische Remake von

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=OLPzNDOzMp8&hl=de_DE&fs=1&]
Com&Com “I love Switzerland”, 2002

und hier die Inspirationsquelle und Original

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=BRI-A3vakVg&hl=de_DE&fs=1&]
Molson Canadian Bier-Werbespot “I Am Canadian”, 2002

cesky-sen

Tschechischer Traum (Originaltitel: Český sen) ist der Abschlussfilm der ehemaligen tschechischen Filmakademiestudenten “Vít Klusák” und “Filip Remunda”. Er dokumentiert die Geschichte rund um die Eröffnung eines fiktiven Einkaufszentrums mit dem gleichen Namen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Tschechischer_Traum

CeskySen-Poster

Im Jahr 2003 sorgten Vít Klusák und Filip Remunda, zwei Absolventen der Prager Filmakademie, in Tschechien für eine kleine Sensation, die sich sogar zu einem mittelgroßen Skandal ausweitete. Ihr Abschlussfilm „Cesky Sen – Der tschechische Traum“ hätte ungewöhnlicher nicht sein können. Gemeinsam mit einer renommierten Werbeagentur entwickelten sie ein Werbekonzept für einen Hypermarkt (nach Vorbild amerikanischer Malls), der überhaupt nicht existierte – mit verblüffendem und nicht für möglich gehaltenem Erfolg.
Filmkritik: Cesky Sen – Der tschechische Traum

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=5SkvGmFakdM]
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=XFi5HtNKB5Q]

SVP Schafe

Wohl das meist gehackte Politik-Plakat der Schweiz. Hier das Original und einige schöne Hacks.

svp

weltwoche

law_order11

schafseggelsvp_schafesvp-schafe2fcb1

Schäuble Plakat-Remix

Im drögen deutschen Wahlkampf haben sich ein paar Leute von netzpolitik.org einem Poster der CDU angenommen; Überwachungsminister Wolfgang Schäuble inkl. Slogan “Wir haben die Kraft für Sicherheit und Freiheit”. Aus rund 1000 Einsendungen hier drei Spoofs. Das vierte ist übrigens das Original..

schauble10schauble20schauble29original